Das richtige Feuerlöscher Modell

Eine Brandschutzserie von W. Wienerl Feuerlöschtechnik zum Thema Feuerlöscher und der richtigen Brandklasse

Warum brauche ich einen Feuerlöscher?

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ine häufig gestellte Frage, die wir oftmals in Kombination mit: „Bei uns hat es ja noch nie gebrannt!“ zu hören bekommen.

Dass es sich dabei vielleicht einfach um einen Glücksfall handelt und es allein im Jahr 2016 rund 2200-mal in Niederösterreich gebrannt hat, wodurch zwölf Menschen ihr Leben verloren und Schäden in der Höhe von ca. 57 Millionen Euro verursacht wurden, bleibt dabei leider häufig unerwähnt. Natürlich ist ein tragbarer Feuerlöscher keine Garantie dafür solche tragischen Ereignisse gänzlich auszuschließen, allerdings kann durch frühzeitiges Erkennen eines Entstehungsbrandes und dem richtigen Handeln in solch einer Situation, eine potenzielle Bedrohung verhindert werden.

Das Angebot an sogenannten „Erste Löschhilfen“ hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt, was einerseits den großen Vorteil bringt auf unterschiedliche Brandgefahren speziell einzugehen, aber andererseits so manchen Laien vor Schwierigkeiten bei der Kaufentscheidung stellt.

Um die richtige Wahl etwas zu vereinfachen zeigen wir Ihnen die Vor- & Nachteile der unterschiedlichen Löschmittel bzw. Gerätetypen. Hierfür sind folgende Kriterien zu beachten:

Brandklassen

Löschmittel

Geräteaufbau

Handhabung & Wartung

Brandklassen

Brandklasse A B C D F

Die Brandklasse ist stets auf dem Feuerlöscher mit dem jeweiligen Buchstaben und dem dazugehörigen Symbol vermerkt und beschreibt für welche Art von Brand das Gerät geeignet ist.

Brandklasse A

Brände fester Stoffe – Holz, Kohle, Papier, Textilien, Stroh, Stroh usw.

Brandklasse B

Brände flüssiger oder flüssig werdender Stoffe – Kunststoffe, div. Reinigungsmittel, Benzin, Alkohol, Heizöl usw.

Brandklasse C

Brände von Gasen – Ethin, Wasserstoff, Erdgas, Methan, Propan, Butan usw.

Brandklasse D

Brände von Metallen – Aluminium, Magnesium, Lithium, Natrium, Kalium

Brandklasse F

Brände von Fetten & Speiseöl – Speiseöle, Speisefette

Löschmittel

Damit jede Art von Brand optimal bekämpft werden kann, wurden spezielle Löschmittel entwickelt. Diese reichen von der simplen Füllung mit Wasser bis hin zum Fettbrandlöschmittel.

Vorteil
Geeignet für die Klassen A, B und C. Deckt somit als einziges gleich drei Kategorien ab und ist häufig auch das preisgünstigste Medium. Der durchschnittliche Pulverlöscher hat einen Funktionsbereich von -30⁰C bis +60⁰C.

Nachteil
Tritt in der Regel mit sehr hohem Druck aus dem Gerät aus und erschwert somit den Löschangriff (ein brennender Adventkranz kann beispielsweise vom Tisch befördert werden und den Brandherd verschleppen). Bereits nach kurzer Zeit entwickelt sich eine dichte Staubwolke, wodurch jegliche Sicht genommen und eine Flucht erschwert wird. Da es sich beim Löschen nicht sehr gezielt einsetzen lässt, verteilt sich das Pulver sehr großflächig und hinterlässt eine starke Verschmutzung, wodurch sehr hohe Reinigungskosten entstehen.

Vorteil
Geeignet für die Klassen A und B. Ist daher häufig in Lagerbereichen mit größeren Mengen an Papier, Karton oder auch Kunststoff zu finden. Eignet sich jedoch auch gut für den Haushalt oder das Büro. Das Löschmittel lässt sich sehr gezielt auf ein Brandobjekt aufbringen, wodurch sich auch die Verschmutzung in Grenzen hält.

Nachteil
Da das Schaummittel in der Regel auf Wasser basiert, darf es nicht bei Fettbränden eingesetzt werden. Der durchschnittliche Schaumlöscher funktioniert nur bei Temperaturen zwischen +5⁰C und +60⁰C, sodass für Außenbereiche ein frostsicheres Gerät gewählt werden muss.

Vorteil
Geeignet für die Klasse A. Wird meistens in Büros oder in Bereichen mit ähnlicher Nutzung (Schulen, Kindergärten, etc.) verwendet. Das Löschmittel Wasser ist besonders umweltfreundlich.

Nachteil
Ausschließlich für die Brandklasse A geeignet. Wie auch der Schaumlöscher, ist das Medium Wasser nicht für den Einsatz bei Fettbränden geeignet und muss im Außenbereich einen Frostschutzzusatz enthalten.

Vorteil
Geeignet für die Brandklasse B. Der CO2 Feuerlöscher funktioniert durch Verdrängung von Sauerstoff und erstickt somit Flammen. Das CO2 hat den großen Vorteil, sich innerhalb von kurzer Zeit zu verflüchtigen und keine Rückstände zu hinterlassen. Wird daher überwiegend in Bereichen mit empfindlichen Gerätschaften (Serverräume, E-Verteiler, OP-Räume etc.) eingesetzt. Der durchschnittliche CO2 Feuerlöscher hat einen Funktionsbereich von -30⁰C bis +60⁰C.

Nachteil
Die Verdrängung von Sauerstoff kann in zu kleinen, unbelüfteten Räumen lebensgefährlich für den Anwender werden. Daher ist im Vorhinein immer das Raumvolumen zu berechnen, um den Feuerlöscher in der richtigen Größe (2kg oder 5kg CO2) auszuwählen. Kohlendioxid tritt mit bis zu -80⁰C aus der Schlauchleitung aus und darf daher nicht auf Personen gerichtet werden.

Vorteil
Als einziges Gerät weist der Fettbrandlöscher die Brandklassen A, B und F auf. Dieses Speziallöschmittel ermöglicht den Einsatz bei Bränden von Öl bzw. Speisefetten. Das Löschmedium lässt sicher sehr kontrolliert einsetzen, wodurch eine gröbere Verschmutzung ausbleibt. Diese Geräte findet man größtenteils in Küchen oder Buffets, sie eignen sich aber auch für den Privatbereich. Der Funktionsbereich liegt auch hier bei -30⁰C bis +60⁰C.

Nachteil
Das Gerät ist im Verhältnis zu anderen Typen, etwas teurer in der Anschaffung.

Brandklassen Feuerlöscher Modelle

Geräteaufbau

Hier unterscheidet man grob zwischen Dauerdruck- bzw. Aufladelöscher. Bei Dauerdruckgeräten steht das Löschmittel unter permanentem Treibmitteldruck. Bei Betätigen der Auslöseeinrichtung wird das Löschmedium dosiert über das Steigrohr und die Schlauchdüse ausgetrieben. Als Treibgasmittel wird meistens Stickstoff (N2) verwendet. Durch den simplen Aufbau ist dies grundsätzlich die kostengünstigere Variante, ist allerdings durch den unter Druck stehenden Behälter, nicht für Bereiche geeignet, in denen man mit Außeneinwirkung (z.B. Beschädigung durch Staplerverkehr) rechnen muss. Bei den qualitativ hochwertigeren Aufladefeuerlöschern, wird das Gas (meistens Co2) in einer besonders dickwandigen Treibmittelpatrone gespeichert. Erst bei der Inbetriebnahme wird der Co2 Feuerlöscher unter Druck gesetzt. Da die abzudichtende Fläche im Verhältnis zur Bauweise des Dauerdruckfeuerlöschers sehr klein ist, kann ein Nichtfunktionieren durch Undichtigkeiten bei dieser Bauart so gut wie ausgeschlossen werden.

Aufladefeuerloescher und Dauerdruckfeuerloescher

Die richtige Handhabung ist bei jedem Gerätetyp bzw. Hersteller etwas unterschiedlich, muss allerdings am Behälter bezeichnet sein. Meist sind es drei einfache Schritte die bei der Inbetriebnahme durchgeführt werden müssen. Es empfiehlt sich die korrekte Vorgehensweise schon nach dem Kauf bzw. danach in regelmäßigen Abständen durchzuspielen, um im Ernstfall rasch reagieren zu können.

 

Der Gesetzgeber schreibt eine regelmäßige Feuerlöscherprüfung und -wartung vor. Der Löscher ist alle zwei Jahre durch einen zertifizierten Sachkundigen zu überprüfen. Dies ist wichtig, da nur so eine einwandfreie Funktion des Gerätes über viele Jahre hinweg gewährleistet werden kann.  Anhand der ausgestellten Überprüfungsplakette lässt sich immer feststellen wann die nächste Kontrolle fällig wird.

 

Zusammenfassend: lässt sich feststellen, das Thema „Feuerlöscher“ ist sehr umfangreich und ein Universalgerät für alle Einsatzbereiche gibt es bis dato noch nicht. Daher empfehlen wir, vor einem Kauf nochmal das Gespräch mit dem Experten zu suchen und so die ideale Löschhilfe für die eigenen Ansprüche zu finden.

Feuerlöscher Anleitung